Soziales Wohnprojekt Assenheimer Straße vor dem Aus
Gemeinnützige Schader-Stiftung droht Bewohnerinnen und Bewohnern
mit Zwangsräumung
Wir hatten sie in der Vergangenheit mehrfach über die Geschehnisse
um das Wohnprojekt Assenheimer Straße 15 in Rödelheim informiert,
auch wurde dies einige Male in der Tagespresse aufgegriffen. Unsere Situation
hat sich nun dramatisch zugespitzt.
Das Oberlandesgericht Frankfurt hat in einem nicht nachvollziehbaren Urteil
vom 8. Oktober den Bewohnern des Wohnprojektes die Wohnmietrechte aberkannt.
Die Vermieterin, die in Darmstadt ansässige Schader-Stiftung, hat
uns daraufhin zur Räumung des Hauses bis zum 1. November (!) aufgefordert
und Zwangsvollstreckung sowie Schadensersatzforderungen angedroht.
Sowohl OLG wie auch Schader-Stiftung ignorieren offenkundig, dass das
Haus von Menschen bewohnt wird.
Wir leben seit nunmehr 17 Jahren im "Wöhlerhaus" in Rödelheim
und haben darin ein Projekt des gemeinschaftlichen Wohnens für 14
Personen im Alter von sechs bis 39 Jahren eingerichtet. In diesem Zeitraum
haben wir Mietzahlungen in Höhe von über 450.000 € geleistet,
Instandsetzung und Instandhaltung des denkmalgeschützten Hauses wurde
im Wesentlichen von uns übernommen. Leider war es uns stets nur möglich,
auf der Grundlage eines Gewerbemietvertrages hier zu wohnen. Darüber
blieben uns Mietrechte, w. z. B. Kündigungsschutz, vorenthalten.
Um das Haus gewinnbringend zu verkaufen, kündigte uns die Schader-Stiftung
zum 31. Dezember 2001. Wir forderten daraufhin die Anerkennung von Wohnmietrechten,
da die Wohnraumnutzung als Mietzweck auch der Schader-Stiftung bekannt
war.
Das Landgericht folgte in erster Instanz unserer Argumentation. Im Widerspruch
dazu ging das OLG im Berufungsverfahren von der Rechtmäßigkeit
des Gewerbemietvertrages aus. Eine Revision wurde nicht zugelassen. Die
Kündigung ist somit wirksam und vollstreckbar.
Da wir das Haus seit Jahren kaufen wollen, setzt uns die Schader-Stiftung
nun die Pistole auf die Brust:
Entweder sofortige Räumung oder der Kauf des Hauses zu einem Preis
deutlich über dem von uns gebotenen Verkehrswert.
Die "gemeinnützige" Schader-Stiftung entpuppt sich einmal
mehr als profitorientiertes Unternehmen, das nicht davor zurückschreckt,
ein soziales Wohnprojekt aufzulösen und dessen Bewohner zu Winteranfang
in die Obdachlosigkeit zu treiben. Zudem funktioniert die Heizung nicht.
Die notdürftigen Reparaturen am seit Jahren maroden Heizungssystem
wurden vor Wochen eingestellt.
Es ist grotesk, dass die Schader-Stiftung am 13. Januar 2005 in Berlin
den Preis "Soziale Stadt" mitauslobt und noch im Jahr 2002 vom
Hessischen Innenministerium als Ansprechpartnerin für "Gemeinschaftliches
Wohnen in Hessen" benannt wurde (vgl. Broschüre "Neue Wohnprojekte
für Jung und Alt", Hessisches Sozialministerium, Juli 2002).
Vor Jahren schon wurde von Geschäftsführung, Vorstand und Kuratorium
der Schader-Stiftung angekündigt "intensiv nach einer Lösung"
für uns zu suchen. Diese Lösung heißt wohl Zwangsräumung.
"Die Auflösung unseres Wohnprojektes durch die Schader-Stiftung
ist ein handfester Skandal", meint Sandra Markgraf, Sprecherin der
Bewohner der Assenheimer Straße 15, "es kann doch nicht angehen,
dass eine gemeinnützige Stiftung, die sich um Belange des sozialen
Wohnens sorgt, ein erfolgreiches Wohnprojekt ihren Profitinteressen opfert."
Wir suchen zur Zeit fieberhaft nach einer Möglichkeit, unser Wohnprojekt
an anderer Stelle weiterzuführen. Wenn sich diese nicht bald findet,
so werden wir wohl noch in diesem Winter auf der Straße landen.
Und Frankfurt ist um ein soziales Wohnprojekt ärmer.
Für die Bewohner und Bewohnerinnen der Assenheimer Straße
15
Sandra Markgraf
Für weitere Informationen stehen wir Ihnen selbstverständlich
zur Verfügung.
Wohnprojekt Assenheimer Straße / Hausverein Assenland
Tel.: (069) 785063 und (0163) 2410570
e-mail: wohnprojekt-assenheimer@gmx.de
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