Umwidmung zum Mischgebiet beseitigt Hindernis für Rasthaus Vauban.
Die Zeit drängt: spätestens zum 30. August werden die Häuser
geräumt.
Wir fordern eine politische Entscheidung des Gemeinderates jetzt!
Der Gemeinderat der Stadt Freiburg hat im Februar Teile des Gewerbegebietes
auf dem Vaubangelände in ein Mischgebiet umgewidmet. Genau hier liegen
die Grundstücksparzellen mit den ehemaligen Kasernengebäuden
49 und 50, die wir zusammen mit dem Mietshäuser Syndikat erwerben
wollen, um das Projekt Rasthaus zu verwirklichen.
Die Umwidmung zum Mischgebiet ist ein harter Brocken: der Kaufpreis der
Grundstücke wird mehr als verdoppelt, von 170 EUR/m2 auf
450 EUR/m2, was die Finanzierung des Bauprojektes nicht gerade
erleichtern wird.
Ausgesprochen positiv für die Umsetzung des Projektes wirkt sich
aber ein (von der Stadtverwaltung möglicherweise ungewollter) Nebeneffekt
dieser Umwidmung aus: es entfällt genau das Argument, mit dem die
Stadtverwaltung das Rasthaus als Grundstücksbewerber nicht zulassen
wollte:
"Die Stadtverwaltung hatte den ersten Antrag für einen Kauf
vom 23. April 1998 mit der Begründung abgewiesen, dass das Gebäude
bis zum 31.8.2002 vermietet sei. Auf eine spätere Anfrage des Rasthauses
(Brief vom 16.9.1999) verwies die Stadt auf ihr Vorhaben, das Gebiet nur
für gewerbliche Zwecke freizugeben. Vor diesem Hintergrund stehe
das Haus 49 nicht für das Projekt zur Verfügung." (Badische
Zeitung vom 29.11.2000)
Da das Gewerbegebiet aufgehoben wird, entfällt auch die Begründung
für die ablehnende Haltung der Stadtverwaltung!
Förderlich für unser Projekt ist weiter, dass die Stadtverwaltung
kürzlich in der Presse Hotels genannt hat als Wunschkandidaten für
die Nutzung der neuen Mischgrundstücke (BZ vom 29.1.02). Das ist
eine Vorgabe, die wie zugeschnitten ist auf die Bewerbung des Rasthauses:
denn das Projekt umfasst einen Beherbergungsbetrieb in Verbindung mit
einem Tagungszentrum für grenzüberschreitende Initiativen, für
Seminare, Konferenzen und Kongresse mit Organisationen in und außerhalb
EURpas.
Auch im Quartier Vauban selbst hat das Rasthaus-Konzept breite Unterstützung
durch die BewohnerInnen und das Forum Vauban gefunden, wie auf der gut
besuchten Veranstaltung am 6. März im Bürgerhaus deutlich wurde.
Vorgestellt wurde das Rasthaus von OB-Kandidat Michael Moos, der sich
seit langem für das Projekt einsetzt. Alle OB-Kandidaten äußerten
sich wohlwollend bis engagiert zur geplanten Einrichtung des Projekts
Rasthaus als einer neuartigen und notwendigen Anlaufstelle für Flüchtlinge
und MigrantInnen mit ungesichertem Aufenthaltsstatus. Dieter Salomon sagte
die Unterstützung des Kaufantrages durch die Fraktion der Grünen
zu. Bernhard Zepter von der SPD äußerte am Rande der Veranstaltung
gar seine Sympathie für die Bewegung der sans papiers in Frankreich.
Gudrun Heute-Bluhm, die OB-Kandidatin der CDU, hatte bereits am 7. Februar
das mini-rasthaus auf dem Grethergelände besucht, das schon jetzt
als offener Treffpunkt dient. Hier werden keine Fragen nach dem Paß
gestellt, derzeit medizinische Hilfe und Asylberatung vermittelt sowie
Sprachkurse angeboten. Dabei hat sie im Gespräch den VertreterInnen
der Projektgruppe Verhandlungen und die Prüfung des Rasthaus-Konzepts
durch die Verwaltung zugesichert. Das wäre zwar noch nicht die Entscheidung
für das Rasthaus, aber 100 % mehr an Verhandlungen, als mit der bisherigen
Verwaltung zustande gekommen ist.
Doch die Zeit drängt: Schon im April will das Bundesamt für
die Anerkennung von Flüchtlingen Haus 50 verlassen. Bis zum 31. August
werden die fünf ehemaligen Kasernengebäude geräumt an die
Stadtverwaltung übergeben, falls nicht schon früher Fakten geschaffen
werden. Statt mit Abbruchunternehmen zu verhandeln, verlangen wir, dass
jetzt unser Kaufantrag entschieden wird.
Wir fordern endlich eine politische Entscheidung direkt vom Gemeinderat,
die auch öffentlich diskutiert wird.
Das um so mehr, als die Stadtverwaltung schon ein neues Gegenargument
bereit hält, um ihre Hinhalte- und Blockadestrategie nicht aufgeben
zu müssen: das Rasthaus sei ein gefährliches "Vermarktungshemmnis",
heißt es im Ergebnispapier eines vertraulichen "Workshop-Gespräches"
der Stadtverwaltung mit einer Consulting-Firma für Marketing vor
einigen Wochen. Wir zitieren:
"Als weitere flankierende Maßnahme zur Verbesserung der Vermarktung
zählt die Vermeidung von Vermarktungshemmnissen. Hierzu zählt
unter anderem die aus sozialen Aspekten in der Öffentlichkeit diskutierte
Erhaltung der Gebäude 49 (Rasthaus) und 50 für die Einrichtung
eines Sozialprojektes. Ein derartiges Projekt wird unmittelbar Einfluss
auf die Vermarktung und Verwertung angrenzender Wohnbau / Mischgebietsgrundstücke
haben. Durch die Umsetzung eines derartigen Projekts wären bisher
nicht vorhersehbare Verschlechterungen im Bereich der Vermarktung zu befürchten."
Die Methode, ein soziales Projekt einzig und allein als "Vermarktungshemmnis"
wahr zu nehmen und zu diffamieren, spricht für sich. Sie ist nicht
neu, auch nicht auf Vauban: So versuchte die Freiburger Stadtverwaltung
1992 unter Rolf Böhme, auch das Projektinitiative SUSI vor der entscheidenden
Gemeinderatssitzung als Vermarktungshindernis für die umliegenden
Grundstücke zu präsentieren. Sie bediente sich dabei eines Briefes
der LEG, die ein ökonomisches Desaster für die gesamte Entwicklungsmaßnahme
Vauban prophezeite, sollte auch nur eines der alten Kasernengebäude
erhalten und von SUSI in Selbstorganisation ausgebaut werden. Heute kann
sich jeder von der Unwahrheit solcher Behauptungen überzeugen.
Wenn es auf Vauban irgendwo Vermarktungshemmnisse gibt, sind sie in der
Stadtverwaltung zu finden, die die Kaufanträge des Rasthauses vier
Jahre lang in der Ablage verschwinden lässt. Deshalb ist jetzt der
Gemeinderat gefragt.
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