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| Wohnen:
Dem Markt ein Schnippchen schlagen Freiburger Syndikalisten organisieren Wohn- und Projekträume zu erschwinglichen Preisen von Martin Höxtermann Statt Kahlschlag und Einheitsbeton
lieber neues Leben in alten Gemäuern, gemeinschaftlich organisiert
und zu niedrigen Mieten so lautet die Devise des Freiburger »Mietshäuser
Syndikats«. |
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Grundregel
aller Projekte sind gemeinschaftliches Eigentum, sozialgebundene Vermietung
und Verwaltung in Selbstorganisation. »Alles fing mit der Grethergelände in Freiburg an«, erzählt Syndikalistin Elke Manz. Ende der 70er Jahre wollte die Stadt das alternative Kulturzentrum abreißen. Daraufhin gründete sich eine Initiative, die Abriss und Neubebauung entgegentrat, das Gebäude sanierte und aufkaufte. »Wir überlegten nun, wie ein offensives Rangehen an alte Gebäude funktionieren kann und kamen darauf, dass die finanziellen Überschüsse bei bestehenden Projekten für neue Projekte genutzt werden können: das war die Geburtsstunde des Solidarfonds und der Anfang des Syndikats«, berichtet Elke Manz. Das Freiburger Syndikatsmodell ist im Grunde ganz einfach: Wenn sich ein selbstverwaltetes Wohnprojekt entschließt, ein Haus zu kaufen, dann gründen alle Mieter einen Hausverein, der zusammen mit dem »Mietshäuser Syndikat« eine »Hausbesitz GmbH« ins Leben ruft, die das Haus aufkauft. Innerhalb der GmbH hat das Syndikat keine Macht-, sondern eine Sperrfunktion: Es hat Vetorecht gegen Verkauf und Privatisierung des Eigentums, um eine Umwandlung in Geld zu blockieren. Die Belange des Hauses werden von den Mietern selbst geregelt. Dazu gehört als wichtigste Säule der Finanzierung die Anwerbung von Direktkrediten. Denn das Geld für den Kauf von Grundstück, Gebäude und Umbaumaßnahmen eines Projektes wird zum Großteil geliehen, und zwar von Privatpersonen, die die Mittel zinsgünstig und zeitlich befristet zur Verfügung stellen. Die Kredite werden über eine notariell eingetragene Sammelgrundschuld abgesichert. Weil dabei die Banken umgangen werden, monierte die Berliner Bankenaufsicht im Sommer 1999 einen Verstoß gegen das Kreditwesengesetz. |
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Erst
die Aufnahme einer Klausel in die Darlehensverträge, die darauf hinweist,
dass die Kredite im Konkursfall nur nachrangig gesichert sind, ermöglichte
die Fortsetzung des Direktkreditverfahrens. Seitdem boomt das Syndikat.
So sind die Freiburger erstmals auch außerhalb Baden-Württembergs
aktiv: ein ehemals besetztes Haus in der Bankenmetropole Frankfurt(Main),
die »Fritze«, soll vor dem Abriss gerettet werden. Gemäß
Syndikats-Modell haben die 15 »Fritze«-Bewohner, die per Internet
auf die Freiburger aufmerksam wurden, bereits einen Hausverein gegründet,
der mit dem Eigentümer einen Kaufpreis über 480000 Mark ausgehandelt
hat. Mit 25000 Mark ist das Mietshäuser Syndikat als Gesellschafter
in die »Fritze«-Projekt GmbH eingestiegen. »Wir wollen uns jedoch nicht bundesweit ausbreiten«, sagt Stefan Rost. »Lieber wäre es uns, wenn in allen Städten, in denen es Syndikatsprojekte gibt, ein eigenes Syndikat aufgebaut würde, und zwischen diesen ein solidarischer Geld- und Informationstransfer stattfände.« Für die Stuttgarter GLS Gemeinschaftsbank, die seit vielen Jahren mit den Freiburgern zusammenarbeitet, ist das Syndikats-Modell wegweisend. »Es geht einen Schritt weiter als eine Genossenschaft, weil sie den Hausprojekten mehr Selbstbestimmung einräumt und durch den Solidarfonds über das einzelne Projekt hinaus sozial tätig wird«, lobt GLS-Vorstand Gerhard Waterstradt das innovative Modell der ehemaligen Hausbesetzer, die ihrem Motto »Die Häuser denen, die drin wohnen« treu geblieben sind. |
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