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Berliner Mieterverein e.V. MieterMagazin 1+2 2007 |
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| Zur
Miete im eigenen Haus Deutschlandweites Netzwerk Vor 15 Jahren entwickelten ehemalige Hausbesetzer die Idee des Mietshäuser Syndikat: "Gemeineigentum an Haus und Grund, bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit wenig Geld, Raum für Gruppen und politische Initiativen und das alles in Selbstorganisation." Kleinstprojekte mit sechs Menschen, große Gebäude mit 260 Bewohnern, Projekte mit und ohne gewerbliche Nutzung - alles ist möglich, wie 30 bestehende und 27 anfragende Hausprojekte zeigen. Zwischen Freiburg im Breisgau, wo alles begann und das Syndikat sein kleines Büro hat, bis nach Mecklenburg-Vorpommern zieht sich heute das Netz der Aktivitäten. Die Häuser bleiben autonom, aber Wissen und Erfahrungen werden untereinander ausgetauscht. |
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Nicht jede Bank gibt einem Hausprojekt mit wenig Eigenkapital ein Hypothekendarlehen
- aber das Syndikat hilft. So unterstützt zum Beispiel die "GLS
Bank" ("Geben-Leihen-Schenken") bevorzugt gemeinschaftliche
Projekte mit ihrem Geld - zu günstigen Konditionen. Die Syndikatshäuser
wurden überwiegend über sie finanziert, und brachten als Eigenkapital
"Direktkredite" ein: von Freunden, Verwandten, Kollegen geliehenes
Geld mit niedriger Verzinsung.
Am Boxhagener Platz, im Ostteil der Stadt, liegt das zweite der in Berlin und Brandenburg existierenden fünf Syndikatshäuser. Das Haus in der Grünberger Straße 73 war seinerzeit besetzt worden, es gab Mietverträge - und immer Ärger mit dem Hausbesitzer. Der verkaufte den Mietern das dreiteilige Gebäude mit Hof, und auch dieser Hausverein mit 40 Beteiligten erweitert nun das Netzwerk des Syndikats. In einer Wohngemeinschaft mit insgesamt 12 Erwachsenen und Kindern lebt Stefan, Arzt, mit seiner neunjährigen Tochter. "Seit wir als Hausverein die Verantwortung für das Haus übernommen haben, ist das Gemeinschaftsgefühl deutlich angewachsen." Eltern erleben es als entspannend, nicht täglich und nur für sich selbst und die Kinder zu kochen. Solar- oder Fernwärme? Beide Hausvereine setzten bezüglich der Bauarbeiten nicht viel auf Selbsthilfe, sondern beschäftigen lieber günstige Fachfirmen aus Brandenburg. Im Hof der Oranienstraße steht der Anhänger, in dem die Kacheln aus den überflüssigen Öfen landen. "Im vergangenen Jahr wurde eine neue Heizung eingebaut, lange haben wir auf dem Plenum überlegt und analysiert, ob wir eine Solaranlage aufs Dach setzen. Die Gesamtökobilanz sprach dagegen, weil das modernste Heizkraftwerk Europas um die Ecke steht." Das beliefert sie jetzt mit Fernwärme. Diese Modernisierungsmaßnahme brachte jedem nur eine Mieterhöhung von 20 Euro pro Monat, in Häusern großer Wohnungsunternehmen kann es schnell ein Dreifaches der Summe sein. In beiden Berliner Projekten liegen die Kaltmieten auch nach der Modernisierung unter 4 Euro. Auf dem einmal monatlich stattfindenden Hausplenum werden mit transparenten Plänen und Kostenberechnungen möglichst alle Mieter in die Entscheidungsfindung einbezogen. Ob es um das Heizungssystem, die Hofbegrünung, die Besetzung der Arbeitsgruppen oder um freie Wohnungen geht - alle sind aufgefordert, sich zu beteiligen, etwa die Hälfte ist regelmäßig dabei. Dass es nicht alle sind, ist bislang kein Problem für Stefan, "denn Wichtigkeiten sind subjektiv". Kompetenzen sind eben verschieden verteilt - und werden zu unterschiedlichen Zeiten eingebracht. Solange die Hälfte der Bewohner aktiv dabei ist, bleibt das Modell tragfähig. |
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