Schwäbisches Tagblatt Tübingen 12. Mai 2001
Für immer WGs

Wohnprojekt Schellingstraße kommt weiter voran

TÜBINGEN (joh). Das Schicksal der Aussiedler, die demnächst ihr Quartier in der Thiepval-Kaserne verlassen müssen, bleibt den Bewohnern des Studentenwohnheims Schellingstraße wohl erspart: Ihre Vision, die drei von ihnen bewohnten Kasernengebäude zu kaufen, zu sanieren und selbst zu betreiben (wir berichteten), ist durch den Projekteinstieg einer Freiburger Fördergesellschaft noch konkreter geworden.
Derzeit bezahlen die rund 100 studentischen Bewohner der „Schelling" ihre Mieten noch an das Studentenwerk, das die Gebäude vom Bund gemietet hat, der die Kaserne besitzt. Allerdings wird er sie demnächst verkaufen, an eine Erwerbergesellschaft, die aus der baden-württembergischen Hofkammer und der Immobilien- und Vermietungsgesellschaft (IGV) aus Balingen besteht. Das würde das Ende des selbstverwalteten Wohnheims bedeuten.
Seit Mai 2000 arbeitet allerdings ein Kreis von Bewohnern an einem Konzept, die betreffenden Häuser selbst zu übernehmen, und das ist mittlerweile nahezu ausgereift. Das Freiburger „Mietshäuser Syndikat" will nun in das Projekt einsteigen - die Organisation fungiert als Dachverband mehrerer alternativer Wohngemeinschaften, sammelt Anteile der Mieten in einem Fonds und finanziert daraus den Aufbau und Unterhalt der Häuser.
Wenn alles wie geplant läuft, werden die Schellingsträßler (in Gestalt eines Vereins) mit dem Freiburger Syndikat noch diesen Monat eine Trägergesellschaft ins Leben rufen. Den Löwenanteil des Stammkapitals von 50.000 Mark bringen die Freiburger ein. Die Gesellschaft wird sich als erstes um die dringend nötigen Sanierungen kümmern.
„Die Partnerschaft mit Freiburg dient vor allem dazu, die Langfristigkeit des Projekts zu gewährleisten", sagt Timon Haidlinger vom Arbeitskreis in der Schellingstraße: Zum Tübinger Verein zählen nämlich automatisch und ausschließlich die Hausbewohner, und das werden in einigen Jahren unter Umständen andere Menschen mit anderen Idealen sein. Und die könnten daran denken, die selbstverwalteten WGs in Eigentumswohnungen umzuwandeln. „Da schieben wir uns selbst einen Riegel vor. Die Wohnform Groß-WG mit sozialverträglicher Miete wird in der GmbH-Satzung auf Dauer festgelegt sein."
Eine hohe sechsstellige Summe fehlt den Schellingsträßlern allerdings noch zu ihrem Glück - ein Teil des Kaufpreises (um die vier Millionen), den man über Bank- und Direktkredite sowie Spenden zusammenbekommen muss. Bei der Stadt wurde angefragt, ob diese eine Kredit-Bürgschaft oder ähnliches übernehmen wolle. Die Balinger IGV, mit der die Zusammenarbeit bisher äußerst konstruktiv gewesen sei, rechne jedenfalls fest damit, dass der Handel zustande kommt: "Wir von der Schellingstraße sind längst ein fester Bestandteil des neuen Thiepval-Konzepts."