Die Perspektiven

Regionalisierung
Noch wird die Hauptarbeit beim Syndikat von einer kleinen Gruppe aktiver „SyndikalistInnen“ geleistet, die sich einmal pro Woche im Freiburger Büro zur Koordination der anstehenden Arbeit treffen. Aber es bilden sich Ansätze neuer Knotenpunkte in den Regionen Hamburg, Berlin/Brandenburg, Frankfurt/Hessen und Rhein-Neckar heraus. Hier finden von Zeit zu Zeit regionale Syndikatstreffen statt, auf denen sich Projekte und neuen Initiativen austauschen. Auch werden von Leuten aus Projekten seit längerem Beratungsjobs übernommen, z. B. aus der Schelling in Tübingen, aus der Fritze in Frankfurt, aus der Ketzerbach in Marburg, aus dem Projekthaus Potsdam Babelsberg oder Inter-Pares in Hamburg.

Bei der Syndikatsversammlung im September 2003 in Frankfurt wurde der ursprüngliche Plan, mittelfristig eigenständige regionale Syndikate anzustreben, abgeändert: Regionale Strukturen werden weiter aufgebaut, aber der Gesamtzusammenhang eines gemeinsamen Mietshäuser Syndikates wird nicht aufgegeben, sondern über die Regionen hinweg weiterentwickelt. Denn es ist zum einen erfrischend und anregend, die Nase aus dem Sumpf des eigenen Hausprojekts, des Kiezes und der Region hinauszustrecken; zum anderen ist in der Syndikatsidee angelegt, Projekte und Situationen an ganz anderen Orten in das Denken und Handeln mit einzubeziehen.
So gründete sich im Jahr 2007 die regionale Koordination Tübingen, die gerne Anfragen aus der Region beantworten:
Mehr Infos zur regionale Koordination Tübingen unter: www.syndikat-tuebingen.de

Wachstum und Grenzen
Wie groß soll ein Syndikatsverbund werden? Gibt es Grenzen? 50, 100, 1000 Projekte? Gibt es eine optimale Größe? Wir wissen es nicht, werden es aber herausfinden. Durch die extrem dezentrale Organisation des Syndikats mit autonomen Hausprojekten ist der Gefahr einer Machtballung beim Knotenpunkt Mietshäuser Syndikat ein wirksamer Riegel vorgeschoben und regionale Strukturen können sich nach Bedarf und Interesse entwickeln. Alle freuen sich über jedes weitere Mietshaus, das dem Immobilienmarkt entzogen wird, das die Wertsteigerungsspirale der Immobilienverkäufe abbricht, und dessen MieterInnen den Weg in die Selbstorganisation wagen. Deshalb sind wir grundsätzlich für neue Hausprojekte offen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das erste Syndikatsprojekt in Österreich, Spanien oder Frankreich Wirklichkeit wird.

Handlungsrichtschnur bleibt der universalistische Grundsatz: Recht auf Wohnraum für alle. So wie der Syndikatsverbund die Grundstücksgrenzen und die Selbstbezogenheit der einzelnen Hausprojekte überwindet, gibt es keinen wirklichen Grund, an Regional- oder Ländergrenzen Halt zu machen. Der Solidartransfer soll Ausgleich schaffen zwischen Ressourcenmangel einerseits und Ressourcenüberschuss andererseits, auch an verschiedensten Orten. Das ist ein Kontrastprogramm zum kapitalistischen Investitionsverhalten, das die eigene vorteilhafte Ausstattung mit Kapital als Hebel dazu benutzt, durch Investitionen an Orten mit Geldbedarf durch Profite erheblich mehr Kapital zurück zu pumpen.

Wir sind unter ihnen
Eigentlich dürfte es uns gar nicht geben. Denn wir verstoßen schon vom Ansatz her gegen die Marktgesetze: Profitstreben, Kapitalverwertung und persönlicher Eigentumserwerb gelten als unverzichtbare Grundlage aller Wirtschaftsunternehmungen. Aber uns gibt es – das Syndikat und die Projekte – und wir sind unter ihnen: Wir tummeln uns im Dickicht der Stadt unter Baulöwen und Immobilienhaien, unter Häuslebauern und Wohnungseigentümern, unter Wohnungsbaugesellschaften und Kapitalanlageunternehmen. Wir konkurrieren mit ihnen um die eine oder andere Immobilie und spielen das Monopoly im Maßstab 1:1. Wir basteln mit Eifer am wachsenden Unternehmensverbund des Mietshäuser Syndikats. Für jede Gründung einer neuen Hausbesitz-GmbH brauchen wir 12.400 EUR. Deshalb freuen wir uns über neue MitinvestorInnen, die eine Einlage von 250 EUR oder mehr in den Syndikatsverein machen und Mitglied werden. Wenn Sie unsere Ideen gut finden, greifen Sie bitte zu Stift, Telefon oder Tastatur, wir antworten prompt.