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Diskussion
Hier veröffentlichen wir ab sofort Diskussionsbeiträge, gerne
auch kritische, zum Thema neue Syndikate in anderen Regionen und zu anderen
Themen.
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VEB Wohnfabrik Halberstadt
Wenn uns die Geschichte sozialer Bewegungen und deren strukturellen
Verbünde etwas aufzeigt, dann ist es, das sie oft zu zentralisierten
Organisationsformen neigen. Diese mögliche Gefahr besteht auch für
ein zentralisiertes Mietshäuser Syndikat, wenn dies auch zu diesem
Zeitpunkt abstrakt, für viele nicht greifbar oder nachvollziehbar
ist. Wir haben uns für die Mitgliedschaft im Syndikatsverbund auch
deshalb entschieden, weil wir die Menschen, die darin organisatorisch
tätig sind, persönlich kennen gelernt haben, ihnen vertrauen,
die einzelnen Prozesse ihrer Tätigkeit für uns auch aus der
Ferne nachzuvollziehen sind. Aber, je größer das Volumen des
Syndikats, desto größer die Entfremdung. Auch mit den Kommunikationsmöglichkeiten
des 21. Jahrhunderts ist dieser Prozess nicht aufzuhalten oder zu minimieren.
Deshalb war für uns die Idee eines Netzes vieler Syndikate, in der
die lokalen Projekte schnell und flexibel miteinander kommunizieren und
arbeiten können, schon von Anfang die sympathischste aller möglichen
Organisationsformen. Ein Beispiel um dies näher zu erläutern
ist, das wir schon heute kaum einen Bruchteil aller Projekte und deren
dort tätigen Menschen kennen. Aber wie in einer funktionierenden
Familie (oder auch Kommune, Freundschaft, Hausgemeinschaft ect.), müssen
oft unvermeidliche Missverständnisse und Probleme von Angesicht zu
Angesicht diskutiert und geklärt werden, sonst nimmt die Entfremdung
zu und gleichzeitig das Verständnis und das Vertrauen ab. Die Probleme
eines Hausprojektes im Raum Freiburg sind andere als die z.B. in Berlin
oder Halberstadt. Was für die einen gängige Praxis ist, wird
für anderen experimentelles Neuland, oder aber vielleicht sogar unausführbar
sein. Es wird arme und reiche, in ihrem Anspruch radikale und gemäßigte
Projekte geben. Möglicherweise werden sogar Projekte in anderen Ländern
entstehen.
Es ist also unsere Meinung, dass die Vielfältigkeit, dieser Reichtum
an Facetten, an Menschen und Einstellungen, eine Uniformierung und Zentralisierung
des Syndikates verbietet. Gleichwohl bietet sich an, das jetzige auch
im zukünftigen zu nutzen. Freiburg als Netzpunkt in dem Informationen,
Ideen, Impulse und auch Kritiken aus den unterschiedlichsten Projekten
und Syndikaten zusammenfließen können. Informationen die dann
jedem einzelnen zugängig sind. Zudem, was machen wir bei schwerwiegenden
Streitfragen zwischen den Syndikaten, sollten wir uns für eine dezentrale
Organisationsform entscheiden? Möglicherweise werden wir in nicht
all zu ferner Zukunft ein neutrales, von uns allen frei gewähltes
und vertrauenswürdiges Gremium als Vermittler brauchen, allein schon
deshalb, da die gute Grundidee von einzelnen Projekten verfälscht
oder aber gar missbraucht werden könnte (z.B. wenn Faschisten sich
mit einem eigenen, selbstorganisierten Projekt in den Syndikaten beteiligen
wollten).
Klar ist, und darin stimmen wir wohl überein, das die Gründung
von neuen Syndikaten aus den Projekten oder dem Verbund dieser heraus
entstehen muss. Im Moment ist wohl kein Projekt zu diesem Schritt in der
Lage, zumindest die im Osten derzeit existierenden- noch nicht. Aber je
früher wir diese Problematik geklärt haben, desto reibungsloser
können wir uns über die Konditionen unterhalten. Deswegen ist
diese Debatte unsererseits noch nicht brandaktuell, aber auch nicht verfrüht-
aber sehr, sehr wichtig. [nach
oben]
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Fritze Frankfurt
Wir sind der Meinung, dass eine föderale Struktur mit (relativ)
unabhängigen örtlichen Gruppen, die beste Form der Organisierung
wäre, weil so am besten auf die lokalen Besonderheiten reagiert werden
kann und weil dies einer Basisorganisierung am Nähesten käme.
Allerdings glauben wir, dass eine solche Struktur nicht einfach beschlossen
werden kann. Vielmehr müsste sie aus den örtlichen Projekten
heraus selbst entstehen, um wirklich tragfähig zu sein.
Mit anderen Worten: Das Syndikat sollte offen für eine Veränderung
der Struktur sein und so der Bildung von anderen Syndikaten gegenüber
aufgeschlossen sein. Wenn tatsächlich Initiativen zur Gründung
von anderen lokalen Syndikaten entstehen würden, die eigenständig
arbeiten könnten, müsste geklärt werden, wie ein Verbund
dieser unterschiedlichen Syndikate aussehen sollte und welche Aufgaben
aus pragmatischen und/oder finanziellen Gründen beim "Dachverband"
bleiben könnten. Zudem müsste natürlich eine Vollversammlung
und ein daraus hervorgehendes Entscheidungsgremium eingerichtet werden.
Solange einem solchen Beschluss die Basis fehlt, halten wir eine Debatte
über eine solche gewünschte föderale Struktur für
verfrüht. Bis zur Entstehung anderer Syndikate wäre es wahrscheinlich
besser über die Verbesserung der bestehenden Strukturen zu diskutieren,
falls es dafür Bedarf gibt.
Wenn sich das Freiburger Syndikat organisatorisch dazu in der Lage sieht,
Projekte weiterhin auch außerhalb der eigenen Region zu betreuen,
glauben wir, dass eine Organisierung vom Freiburger Syndikat aus richtig
ist. Die dabei entstehenden organisatorischen Probleme können wir
von hier aus allerdings kaum einschätzen. [nach
oben]
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Kitschburg Köln
Also erst mal zu uns: Wir sind die "Kitschburg" und bestehen
aus zwei Gruppen und zwar aus einem FrauenLesbenTransgender-Kollektiv
(Lilitza) und einer Wohngruppe. Die Lilitzas arbeiten kollektiv zusammen
und haben seit über anderthalb Jahren eine gemeinsame Kasse. Da wir
gemeinsam leben, wohnen, arbeiten und Politik machen wollen, brauchen
wir ein entsprechendes Gelände mit Haus. Deshalb haben wir im letzten
Sommer zweimal städtische Häuser besetzt - aber erfolglos. Im
Moment sind wir zwar zum größten Teil auf dem Bauwagenplatz
untergekommen, suchen aber weiterhin nach einem Haus. Obwohl wir es richtig
finden, die Stadt auch weiter aufzufordern, mal was rauszurücken,
überlegen wir uns, ein Haus zu kaufen.
Doch wo anfangen? Wir haben kein Geld, keine regelmäßigen Einnahmen,
keine Verwaltungskenntnisse und billige Häuser gibt es hier in Köln
auch nicht. Als wir dann vom Mietshäuser Syndikat in Freiburg hörten,
schien uns die Idee vom Häuserkauf nicht mehr völlig unrealistisch.
Unterschiedliche Projekte mit Menschen in unterschiedlichen finanziellen
Situationen haben sich zusammengeschlossen und haben es auch geschafft.
Zudem wurde eine sinnvolle Struktur geschaffen, um Privateigentum auszuschließen.
Auch hier in Köln gibt es verschiedene Gruppen, die Interesse an
der Idee bekommen haben. Neben uns gibt es das Baukollektiv, die zwar
kein gemeinsames Zuhause suchen, aber Lust darauf hätten, ein Projekt
aufzuBAUEN. Dann gibt´s noch eine Gruppe, die kauft gerade ein Haus.
Eigentlich genug Leute und Ideen, um eine eigene Struktur in Köln
aufzubauen... aber alles bisschen viel. Die Ideen und Projekte sind noch
neu; wir wissen nicht wo anfangen. Eigentlich fänden wir es besser,
hier ein eigenes Mietshäuser Syndikat zu gründen, da wir befürchten:
Je mehr Projekte aus unterschiedlichen Städten sich am Freiburger
Syndikat beteiligen, desto unverbindlicher wird der Kontakt zwischen den
Projekten und zum Syndikat. Damit könnte das Mietshäuser Syndikat
zum reinen Dienstleister werden. Je enger die einzelnen Projekte vernetzt
sind und sich gegenseitig kennen, desto wahrscheinlicher ist die gegenseitige
Verantwortung gewährleistet und die Beteiligung an der Gesamtstruktur
( z. B. wissen, wofür mensch in den Solifond zahlt).
Allerdings bietet das Freiburger Syndikat einfach eine Struktur, die sich
bewährt hat und auf deren Erfahrung sich neue Projekte stützen
können. Von daher fänden wir es gut, erst mal die Anbindung
an das Freiburger Mietshäuser Syndikat zu haben und je nach Entwicklung
und Auseinandersetzung hier, sich die Gründung eines Kölner
Syndikats zu überlegen.
FAZIT: Köln schreit Hilfe! Wir brauchen Euch!! [nach
oben]
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Schellingstraße Tübingen
Die Idee des Mietshäuser Syndikats ist genial. Das ist nicht nur
unsere Meinung, das hören wir überall dort, wo wir die Idee
vorstellen. Und die mit der Hilfe des Mietshäuser Syndikats realisierten
Wohnprojekte sind tolle Beispiele für die Machbarkeit dieser Idee.
Für die Schelling waren und sind die Erfahrungen und Unterstützungen
des Mietshäuser Syndikats unentbehrlich. In finanzieller wie auch
in ideeller Weise. Und für andere Projekte in Tübingen hat sich
durch das Engagement des Mietshäuser Syndikats in der Schelling eine
Perspektive ergeben, mittel- bis langfristig auch Selbstverwaltung anstreben
zu können.
Nun hat die Schelling seit Beginn der Zusammenarbeit mit "den Freiburgern"
die Maßgabe bzw. den Plan, in Tübingen ein eigenes Mietshäuser
Syndikat aufzubauen. Dass dies erst dann angegangen werden kann, wenn
die Verhältnisse hier in trockenen Tüchern sind, liegt auf der
Hand. Erst in Jahren kann z.B. die Schelling anderen Projekten finanziell
zur Seite stehen. Und dass die Menschen hinter dieser Idee existieren
müssen, ist unabdingbar. Es gab aber bereits mehrere Treffen zwischen
Tübinger Wohnprojekten und, im vergangenen Jahr, das Erste Symposium
Tübinger Sonderwohneinheiten - die Vernetzung und ideelle Entwicklung
hat begonnen.
Soll das Mietshäuser Syndikat zentral organisiert bleiben und expandieren
oder sollen zwei, drei, viele Syndikate entstehen? Aus der Sicht der Schelling
ist beides wichtig. Für Tübingen selbst ist ein eigenes Mietshäuser
Syndikat Ziel. Aus der Sicht von Projekten, die kein so großes ideelles
Umfeld und Partnerprojekte in der Nähe haben, ist das sicherlich
weitaus schwieriger.
Wir müssen über diese Frage nachdenken und diskutieren. Eine
konkrete Meinung können wir noch nicht formulieren. Was uns aber
- so oder so - wichtig ist: Der Gedanke des Mietshäuser Syndikat
darf nicht verwässert werden. Die Idee des dauerhaften Entzugs von
Wohnraum aus dem Markt muss verbreitet werden. Gegenseitige Unterstützung
und Vernetzung sind die Grundlagen dafür. [nach
oben]
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