Glücksfall für Brandopfer Druckerei

Badische Zeitung 25.09.20025

Glücksfall für Brandopfer Druckerei

Grether Ost macht’s möglich: Neue Gewerberäume in Innenstadtnähe für fünf Euro.
Samstag Richtfest auf dem Grethergelände.

Von Lars Bargmann

INNENSTADT. Richtfest in der Grethergelände: Am kommenden Samstag feiert das Wohn- und Arbeitsprojekt Grether-Ost die Fertigstellung des Rohbaus einer neuen Zwischenhalle. Sie bietet rund 200 Quadratmeter preisgünstigen Gewerberaum und soll zum Jahresende bezogen werden. Noch aber braucht Grether-Ost rund 150 000 Euro an privaten Darlehen, um den Zeitplan einhalten zu können.

Schon seit 1995 entsteht auf dem Gelände der einstigen Gießerei preisgünstiger Wohn- und Gewerberaum in gemeinschaftlichem Eigentum. Neuestes Projekt ist die Zwischenhalle. Die alte Halle wurde abgerissen, die dabei anfallenden Altlasten wie Blei- und Cadmiumstäube fachgerecht entsorgt. Die Grether-Ost GmbH hat durch viel Eigenleistung die vom TÜV für die Sanierung berechneten 820.000 Euro auf 560.000 gedrückt und meldet nun nicht ohne Stolz den Abschluss der „größten privaten Freiburger Sanierungsbaustelle“.

Trauriges Ende nach 24 Jahren in der Spechtpassage

Ebenfalls zum Ende des Jahres sollen auch fünf neue Sozialwohnungen im Ober- und Dachgeschoss der Gießereihalle bezugsfertig sein. Die Mieter werden gemeinsam ausgesucht, neben anderen findet hier jetzt ein türkisch-kurdische Familie mit sechs Kindern ein neues Zuhause. Auch der neue Mieter für die Zwischenhalle wurde gemeinsam gefunden. „Wir haben mit der Druckwerkstatt im Grün jemanden gefunden, der aus dem Viertel kommt und wegen seiner selbstverwalteten Konstruktion gut zu uns passt“, erklärte Jürgen Feldmaier von Grether-Ost bei einem Pressegespräch.
„Für uns ist das ein Glücksfall, weil wir zum Ende des Jahres unbedingt aus unseren jetzigen Räumen in der Spechtpassage raus müssen“, betonte Norbert Riede von der Druckerei, die nach 24 Jahren die Spechtpassage nun verlässt. Seit dem Brand sind dort nur noch 130 von 200 Quadratmeter zu nutzen. Dass die Spechtpassen-Gesellschaft jetzt die Kündigung mit einem Anwalt durchgezogen hat und bei Nichteinhaltung des Termins Ende Dezember vorsorglich schon mal mit Regressforderungen gedroht hat, findet Riede „traurig“. Der neue Standort bietet nun auf zwei Ebenen wieder ausreichend Platz für den Fünf-Mann-Betrieb. Nicht zuletzt wegen dieser Regressdrohung hoffen die Beteiligten, dass sich nun schnell noch private Darlehensgeber finden, die das Finanzloch von 150.000 Euro stopfen können. Insgesamt stecken derzeit 2,5 Millionen Euro an Direktkrediten von 280 Privatleuten im Projekt, die für einen gemeinschaftlichen Zweck ihr Geld zu solidarischen Zinsen bis zu drei Prozent anlegten. „Wir appellieren an die Menschen“, so Feldmaier, „ihr Geld in dieses Projekt zu stecken und nicht zuzugucken, wie es in den Aktienmärkten versickert.“ Stefan Rost vom Mietshäusersyndikat betonte, dass dieses Finanzierungs- und Eigentumskonzept in der Grether-Fabrik geboren wurde und von dort aus mittlerweile in zwölf Projekten in Deutschland verwirklicht wird. Zum Richtfest laden Druckwerkstatt, Grether-Fabrik und Grether-Ost am Samstag um 11 Uhr in die Zwischenhalle. Ab 21 Uhr gibt es Livemusik (Turntables), Konservenmusik und eine Tanzbar.