Kindersparbuch

Zeitung zum Sonntag 01.04.2001

Zusehen, wie`s eigene Geld arbeitet

Anleger, die Geld in Grether-Ost stecken, können regelrecht zusehen, wie es arbeitet. Die ersten Wohnungen und Gewerberäume in der ehemaligen Eisengießerei Grether & Cie. In der Adlerstraße sind fertig. In der einstigen Gießereihalle allerdings, in der jetzt am Wochenende Richtfest gefeiert wird und in der heute um 11 Uhr der Zirkus Monti auftritt, geben sich die Handwerker noch die Klinke in die Hand.

Allein in der Halle will die Grether Ost GmbH, eines von insgesamt zehn Projekten des Mietshäuser Syndikats in und um Freiburg, unter anderem fünf stadtnahe Wohnungen für Alleinerziehende und kinderreiche Familien schaffen. Für die Sozialwohnungen erhielten sie von der Landeskreditbank einen Zuschuss von 75 Prozent, sagt Jochen Schmidt, der unter anderem für die Buchhaltung und die Finanzierung bei Grether Ost zuständig ist.
Die Kosten für das gesamte Projekt schätzt er auf rund neun Millionen Mark. Ungefähr 200 Privatleute und -gruppen hätten etwa 4 Millionen Mark beigesteuert. Interessenten haben die Wahl, ob sie ihr Geld in einem Kindersparbuch oder im Grether-Ost-Gießereihallenfonds anlegen wollen oder ob sie das Vorhaben mit Direktkrediten unterstützen wollen. „Nicht die Rendite ist das Besondere an der Geldanlage, sondern der soziale Aspekt“, betont Schmidt. Ganz leer gehen die Geldgeber aber auch nicht aus. Sie können mit einer Verzinsung von maximal drei Prozent rechnen, sagt Schmidt.

Die unterschiedlichsten Leute würden ihr Geld in Grether-Ost investieren, meint der „Finanzmanager“. Für die einen steht eben der sozial Aspekt des Projektes, mit dem dauerhaft günstiger Wohnraum für sozial Schwache geschaffen wird, im Vordergrund. Andere wiederum überzeugt die Transparenz der Anlageform, können sie doch sehen, was mit ihrem Geld geschieht. Für manche sei gerade der Umstand, dass es sich bei dem Projekt um eine regionale Geldanlage handle, ein zusätzlicher Anreiz erzählt Schmidt. Können die Anleger doch vor ihrer Haustür mit ihrem Geld die Stadtentwicklung beeinflussen.
Unbegrenzt Geld darf Jochen Schmidt allerdings nicht annehmen: „Überschüsse werden dafür genutzt, um gleichartige Projekte zu unterstützen.“ Das Mietshäuser Syndikat plant weitere Vorhaben. So soll beispielsweise in einem ehemaligen Kasernengebäude auf dem Vaubangelände eine Anlaufstelle für Flüchtlinge und Migranten eingerichtet werden. Das Projekt trägt den Namen „Rasthaus“. Die Arbeit auf dem Grether-Gelände ist aber noch längst nicht beendet . Ist die Gießereihalle erst einmal bezugsfertig, kann mit dem Neubau vor dem bereits ausgebautem Lagerhaus begonnen werden. Doch das ist Zukunftsmusik. Auf ihre Projekte machen die Grether-Ost-Leute aufmerksam, indem sie bei Festen wie etwa dem Seeparkfest oder auf Märkten mit Ständen vertreten sind. Informationsmaterial legen sie auch in Kneipen und Läden in der Stadt aus. Oder aber sie rufen sich mit Veranstaltungen auf dem Gießereigelände ins Gedächtnis der Leute.