Rasthaus für Flüchtlinge

Junge Welt 22.11.2001

Rasthaus für Flüchtlinge

Freiburger Aktivisten organisieren Unterstützung für „illegalisierte Ausländer ohne Papiere

Von Martin Höxtermann

Mehrere Flüchtlingsinitiativen haben in Freiburg im Breisgau eine Anlaufstelle für Flüchtlinge und Migranten ohne Papiere eröffnet. – Ein „Mini-Rasthaus“, das untergetauchten Flüchtlingen Hilfe und Unterstützung bietet und dessen Betreiber sich dem täglichen Rassismus öffentlich entgegenstellen wollen. Ins Auge gefaßt ist später einmal ein ganzes, doch vorerst muss ein 50 Quadratmeter großes Büro ausreichen. „Hier können sich Flüchtlinge ohne Papiere ohne Angst treffen, austauschen, ausruhen, die Büroinfrastruktur inklusive Telefon und Internetanschluss für eigene Aktivitäten nutzen oder Kontakt mit anderen Gruppen aufnehmen“ erklärt Birgit Heidtke vom Förderverein Rasthaus. „Wir können auch Tipps bei der Arbeitssuche oder anderen Problemen geben“, ergänzt Arash Safehi, selbst Flüchtling im Asylverfahren und aktiv in der „Karawane-Gruppe Südbaden“.

Es ist eine Etappe auf dem Weg zu einem großen „Rasthaus“, für das sich der Förderverein seit 1998 als Teil des bundesweiten Netzwerkes „Kein Mensch ist illegal“ engagiert. Ein Haus, in dem keine Fragen nach Pass, Herkunft und Aufenthaltsgrund gestellt werden. Bereits im April 1998 war ein Kaufantrag für ein städtisches Gebäude in Freiburg gestellt worden, welches im Sommer 2002 frei wird. Nutzfläche: 1.900 Quadratmeter. Doch die Stadt lehnte bisher den Verkauf an den Förderverein ab. Das Haus soll abgerissen werden.
„Mit der Anmietung des Büros, einem kleinen Vorläufer des geplanten Rasthauses, wollen wir unsere Aktivitäten bündeln und die Notwendigkeit dieses Projektes noch deutlicher machen“, sagt Birgit Heidtke. Dort sollen auch Schlafräume für eine kurzzeitige Zuflucht, Büros, eine Kneipe, Räume für Veranstaltungen, Konferenzen und Tagungen, eine Volksküche, Werkstätten und Ateliers untergebracht werden.
Knackpunkt ist die Sicherheit der künftigten Nutzer vor polizeilichen Maßnahmen.

Eine „Garantie“ gebe es natürlich nicht, doch entsprechende Erfahrungen von MediNetz, das seit zwei Jahren kostenlos und anonym Zugang zu medizinischer Versorgung für Flüchtlinge und illegalisierte vermittelt, seien durchaus positiv. Bislang habe MediNetz ungestört arbeiten können. Keiner der rund 150 Besucher des vergangenen Jahres sei kontrolliert worden. Eine solche Duldung seitens der Behörden erhofft sich der Förderverein nun auch für das „Mini-Rasthaus“. Unterstützung erhält man dabei von der Gemeinderatsfraktion der Linken Liste / Unabhängige Frauen. „Ein solches Projekt kann nur dann seinen sinn erfüllen, wenn sich die Polizei in diesem Bereich zurückhält und dafür von der Politik die Rückendeckung bekommt“, meint Michael Moos, Stadtrat, der Linken Liste. Miete und laufende Betriebskosten sollen über Mietpatenschaften finanziert werden.