Vier-Häuser-Projekt

Wohnprojekt Vier-Häuser GmbH
Hechinger Str. 23, 40, 46 und Autenriethstr. 15
72072 Tübingen
(07071) 792136

www.vier-haeuser-projekt.de
4-Häuser-Projekt Tübingen
Projektgründung:2009
Kauf:23.02.2011
Grundstück:5.733 m²
Wohnfläche:2.780 m²
Personen:107
Kosten:3.200.000 €
Miete:7,00 €/m²

Im Vier-Häuser-Projekt spiegelt sich beispielhaft wie bei wohl kaum einem anderen Projekt der gesamtgesellschaftliche Sinn-Zusammenhang des Mietshäuser-Syndikats. Die vier ehemaligen französischen Offiziersgebäude gehörten bis zum Kauf durch die Vier-Häuser-Projekt GmbH zum Bestand der Landesbank Baden-Württemberg. In rund 21.000 LBBW-Wohnungen lebten ca. 60.000 MieterInnen in vielen Städten Baden-Württembergs. Durch die 2008er Finanzmarktkrise war die LBBW in eine ökonomische Schieflage geraten und sollte sich infolgedessen nach EU-Auflagen auf ihr „Kerngeschäft“ konzentrieren, um Kredithilfen zu bekommen. Deshalb wurde beschlossen, die Immobiliensparte zu verkaufen. Das Baden-Württemberg-Konsortium, ein Zusammenschluss u.a. der GWG Stuttgart und der Stadt Stuttgart wollte die Immobilien erwerben und somit im wesentlichen im Eigentum der öffentlichen Hand behalten. Die grün-rote Landesregierung überließ die Wohnungen jedoch für rund 1,4 Milliarden Euro einem Bieterkonsortium um das Augsburger Immobilienunternehmen Patrizia. Beide Bieter seien an einer nachhaltigen Strategie interessiert und die für fünf Jahre geltende Sozialcharta garantiere, dass die Interessen der Mieter der neuen Südewo (Süddeutsche Wohnen) gewahrt blieben, so hieß es von Seiten der Landesregierung. Der Mieterbund widersprach und kritisierte damals den Verkauf: Die Patrizia-Immobilien-AG sei eher als profitliebender Weiterverkäufer von übernommenen Wohnungsbeständen und nicht als langfristiger, mieterfreundlicher Bestandshalter bekannt. Der Mieterbund sollte Recht behalten.
Nach nicht einmal fünf Jahren verkaufte Patrizia 2015 den gesamten Wohnungsbestand der Südewo mit einem satten Gewinn für 1,9 Milliarden Euro an Deutschlands größten Wohnungskonzern, die deutsche Annington weiter. Der im Herbst 2015 in Vonovia umbenannte Immobilienkonzern wendet sich im Zwischenfinanzbericht zum 3. Quartal 2015 an die „sehr geehrten Aktionärinnen und Aktionäre“:
„Vonovia betreibt die Privatisierung von Wohnungen an Mieter, Selbstnutzer und Kapitalanleger. Durch die Privatisierung von Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern mit einem gegenüber dem Verkehrswert signifikanten Preisaufschlag generieren wir zusätzlichen Mehrwert“.
Wir vom Vier-Häuser-Projekt schafften es – im Rückblick in einem Hau-Ruck-Verfahren – unsere Häuser aus dem Gesamtpaket des LBBW-Bestands zu reißen. Nun wird hier ein anderer Mehrwert generiert. Seit Sommer 2011 leben wir – 107 Menschen, davon 46 Kinder – in den 4 Häusern in Tübingens Südstadt.
Neben vielen tausend Stunden Eigenleistung haben wir vor allem als Gruppe viel erreicht. Unsere Häuser und Gärten haben sich seit dem Einzug sichtlich verändert. Ein Großteil des Alltagslebens spielt sich in den einzelnen Häusern ab. Dennoch sind wir ein gemeinsames Projekt. Wir sind mit dem Wunsch gestartet, den Bedürfnissen aller Bewohner_innen gerecht zu werden, was sich als große Herausforderung darstellt und Konflikte unvermeidbar macht. Doch trotz und auch gerade wegen aller Unterschiedlichkeit ist das Leben im 4-Häuser-Projekt so schön. Unsere Basis ist die Entscheidung für gemeinschaftliches Wohnen und die Bereitschaft auch bei schwierigen Fragen konsensorientierte Lösungen zu suchen. Über das Treiben innerhalb unserer Strukturen hinaus, mischen wir uns immer wieder aktiv in das Leben der Stadt ein und bieten Räume für Gruppen und Menschen an, die unsere Ideen von solidarischem Leben teilen, z.B. durch unsere Food Coop und unser Stadtteilcafe. Die Ortsgruppe des ADFC nutzt einen Kellerraum und es gibt eine Wohngemeinschaft des Vereins für Sozialpsychiatrie. Alle zwei Jahre feiern wir ein großes Projektfest. Daneben gibt es viele kleinere Aktionen, wie den alljährlichen Flohmarkt oder die Beteiligung mit Essens-Ständen an verschiedenen Stadt- oder Projektfesten. Über unseren Mi(e)tkulturverein e.V. werden Erlöse sozialen Zwecken gespendet.

Ausgewählte Termine

Samstag, 05.09.20
Mitgliederversammlung Leipzig

Samstag, 09.05.20
Mitgliederversammlung in Dresden

Samstag, 28.03.20 Regionale Mitgliederversammlung Freiburg

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