Die Meuterei

Hausprojekt Zollschuppenstr. 1 mbH
Zollschuppenstr. 1
04229 Leipzig

Die Meuterei Leipzig
Projektgründung:2011
Kauf:13.05.2011
Grundstück:1.040 m²
Gewerbefläche:90 m²
Wohnfläche:535 m²
Personen:11
Kosten:455.000 €
Miete:4,04 €/m²

Meuterei.. liegt Leipzig am Meer, oder was?

Manch Eine_r mag das Problem kennen. Es wird eine Gruppe gegründet, die gemeinsam ein Projekt mit politischem Anspruch aufbauen möchte. Das alles klappt erstmal ganz gut. Nur irgendwann kommt der Moment in dem es anfängt zu nerven. Gerade wenn über die Gruppe von anderen mit holprigen Neologismen aus Straßennamen oder inoffiziell kursierenden Vorschlägen geredet wird.
Ein Name ist mit Sicherheit nicht das wichtigste der Welt, aber ist auch nicht völlig egal. Die Namensfindung hat bei uns ziemlich lange gedauert, weil es meist wichtiger war Diskussionen über inhaltliche Ausrichtungen oder Bauplanungen zu führen. Aber nach einem langen Prozess konnten wir uns endlich auf den Namen „Meuterei“ einigen.
Nun fragen sich wahrscheinlich viele: wieso einen kitschigen Seefahrt-Name, haben wir irgendwas mit Booten oder Schifffahrt zu tun? Ist das nur so eine alberne Trittbrettfahrt auf einer pseudorevolutionären Piratenwelle, oder hat das was mit dem großartigen linken Kneipenkollektiv Skorbut in Leipzig zu tun?
Nichts von all dem!

Die Leipziger Meuten

Wir wollten gerne einen Namen mit lokalem Bezug, der über den Namen einer Straße hinausgeht und der eine Bedeutung hat mit der wir uns weitesgehend identifizieren können. Mit dem Namen Meuterei wollen wir an den Widerstand der Leipziger Meuten in den 30er Jahren erinnern.
In dem zu dieser gruseligen Zeit eher konservativ geprägten Leipzig gab es gerade in den proletarisch geprägten Arbeiterviertel linke Jugend-Cliquen, die sich an verschiedenen öffentlichen Plätzen trafen, um zum einen gemeinsam ungezwungen ihre Freizeit zu verbringen und sich zum anderen als Opposition zu den gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit sahen.
Gemeinsam war den Meuten,dass sie die Hitler-Jugend ablehnten und mit dieser auch handfeste Auseinandersetzungen hatten. Die Meuten entwickelten sich meist in einem linken bzw. sozialdemokratischen und kommunistischen Milieu.
Im Leipziger Westen, und so in unseren unmittelbaren Umgebung, gab es die Meute „Reeperbahn“ in Lindenau und die Meute „Hundestart“ in Kleinzschocher, von denen auch gezielter Widerstand gegen HJ-Heime und Flugblattaktionen bekannt sind.

Eine neue Meute in der Zollschuppenstraße?

Nein! Wir möchten unseren Namen nutzen um an einen wichtigen Teil der antifaschistischen Geschichte Leipzigs erinnern und wahrscheinlich gefällt es uns in den gegenwärtigen Verhältnissen den Begriff Meutereizu verwenden. Mehr jedoch nicht! Dabei haben wir sicherlich Überschneidungen und großen Respekt vor dieser Art des Widerstandes, aber wir leben in einer völlig anderen Zeit, in der es für uns wichtig ist an derart wichtige Strömungen zu erinnern, aber in der es keinen Sinn macht diesen in ihrem Aufbau und Organisationsstrukturen oder ähnlichem nachzueifern. Auch für ein Heldendenkmal gegenüber den Meuten ist uns nicht gelegen,dafür ist einfach noch zu wenig über sie bekannt.
Wir möchten eher ein Projekt sein an dem sich aktuelle und auch neue Formen eines emanzipierten Widerstands verfestigen oder bilden können. Der Gefahr dass wir uns durch diese Namensgebung in eine Reihe mit Menschen, die sich in den 30er Jahren mit Nazis geprügelt haben stellen könnten ist uns bewusst, aber es wäre vermessen diesen Vergleich zu suchen. Wir wollen einer linken Gegenkultur in der Gegenwart Raum und Unterstützung geben.
Wir haben Anfang 2011 den Hausverein Zollschuppenstraße 1 gegründet. Der Hausverein ist einziger Gesellschafter in unserer GmbH ‚Hausprojektgesellschaft Zollschuppenstr. 1 mbH‘. Mitte Mai 2011 haben wir als GmbH die Häuser Zollschuppenstraße 1 und 3 erworben. Wir möchten unser Projekt mit dem Mietshäuser Syndikat umsetzen, um die Häuser vom Wohnungsmarkt zu nehmen und damit ein Zeichen gegen Verwertungslogik, Profit und Leistungsdruck zu setzen. Deshalb bewerben wir uns derzeit um Mitgliedschaft im Mietshäuser Syndikat und hoffen, dass das Syndikat zweiter Gesellschafter in unserer GmbH wird. In direkter Nachbarschaft sind schon mehrere Häuser von Hausprojektgruppen renoviert worden; die Zollschuppenstraße 11 ist auch ein Teil des Mietshäuser Syndikats. Dabei möchten wir auf bereits gemachte Erfahrungen zurückgreifen und freuen uns auf die zu erwartenden Synergieeffekte. Wir haben bisher das Haus möglichst ökologisch nachhaltig renoviert und auf umwelt-freundliche Bausubstanzen zurückgegriffen.
Regenerative Energieversorgung und ein ökologischer Stromanbieter sollen das Haus mit Licht und Wärme erfüllen. Des Weiteren haben wir bisher, soweit für uns umsetzbar, in Eigenleistung renoviert . Zur Zeit haben wir hauptsächlich die Zollschuppenstr.1 saniert und das Nachbarhaus vor weiterem Verfall geschützt. Langfristig wird auch dieses Haus Stück für Stück saniert werden. Die Idee ist ein großes Wohnprojekt in diesen zwei Häusern umzusetzen. Wenn nicht etwas Blödes dazwischen kommt werden die ersten Menschen Ende des Jahres 2012 in das Haus einziehen.

und wie kann das alles funktionieren?

Wichtig ist uns Teil eines größeren Solidarverbundes ähnlicher selbstorganisierter Projekte und Lebensideen zu sein. Bewusst werden wir kein Privateigentum schaffen, um das Projekt dauerhaft zu sichern und Spekulation mit Grund und Boden zu vermeiden. Aus diesen Gründen möchten wir sobald wie möglich dem Mietshäuser Syndikat (MHS) beitreten. Gemeinschaftliches Eigentum an Haus und Grund, bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit wenig Geld, Raum für Gruppen und politische Initiativen und das alles in Selbstorganisation, diese Idee vertritt das MHS seit fast 20 Jahren. Dazu sind im MHS etwa 50 Projekte organisiert. Dabei wird ein solidarischer Umgang angestrebt, erfahrene Projekte helfen neuen ideell und finanziell. Wir haben unser Haus als GmbH erworben. Dabei sind wir als Hausverein ein Gesellschafter und werden das MHS bitten, einen zweiten Gesellschaftsanteil zu übernehmen. Das Stimmrecht des MHS wird auf wenige Grundlagenfragen beschränkt: In bestimmten Angelegenheiten wie Hausverkauf oder Umwandlung in Eigentumswohnungen erhält das MHS ein Vetorecht. So soll verhindert werden, dass die Häuser Zollschuppenstraße 1 und 3 irgendwann wieder Kapital werden. Bei allen anderen Gelegenheiten hat generell der Hausverein alleiniges Stimmrecht. Im Ergebnis entsteht durch die beschriebene Beteiligung des Syndikats an den Hausbesitz-GmbHs ein Unternehmensverbund selbstorganisierter Hausprojekte, die sich der Idee des Solidartransfers von Altprojekt zu Neuprojekt verpflichtet haben. Die generelle Autonomie der Projekte wird durch ein Vetorecht des MHS gegen Zugriffe auf das Immobilienvermögen eingeschränkt, um eine mögliche Reprivatisierung und erneute Vermarktung der Häuser zu blockieren.

wie soll das bezahlt werden?

Unsere beiden Häuser haben zusammen fast 100.000 Euro gekostet. Wir konnten den Kauf vollständig über private Direktkredite finanzieren. DANKE! Hinzu wird etwa die vierfache Summe an Sanierungskosten kommen.

Ausgewählte Termine

Samstag 05.09.20
Mitgliederversammlung Leipzig

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