Guntram 38

Guntram 38 GmbH
Guntramstraße 38
79106 Freiburg
(0175) 5910712

Projektgründung:2018
Kauf:27.07.2018
Grundstück:430 m²
Wohnfläche:680 m²
Personen:12
Kosten:1.625.000 €
Miete:7,51 €/m²

Unser Haus liegt im Freiburger Stadtteil Stühlinger. Mitte des 19. Jahrhunderts stapfte man da noch durch sumpfige Wiesen. Erst mit der Inbetriebnahme der neuen Bahnlinie Basel-Offenburg und dem damit verbundenen ökonomischen Aufschwung wurde das westlich vom Bahnhof liegende Areal erschlossen. Ab 1875 entstand eine schachbrettartige und auch für heutige Verhältnisse dichte Bebauung. Man wollte preiswerten Wohnraum schaffen, vor allem für die Familien der Eisenbahner.

Viele der um die Jahrhundertwende gebauten Häuser sind bis heute erhalten und strahlen mit ihren facettenreichen Fassaden, an denen die Handwerkskunst vergangener Zeiten sichtbar wird, ihren eigenen Charme aus. Das und natürlich die Zentrums- und Bahnhofsnähe haben ihr Übriges dazu beigetragen, dass das Viertel zunehmend in den Sog der Gentrifizierung geraten ist. Durch den Kauf und Verkauf von Häusern lassen sich hier hohe Renditen erzielen. War es Ende der Neunziger noch vergleichsweise günstig, im Stühlinger zu wohnen, müssen MieterInnen heute immer tiefer in die Tasche greifen.

Als wir deshalb Ende Februar 2018 die Nachricht bekamen, dass unser Haus verkauft werden soll, waren uns die drohenden Konsequenzen gleich klar. Die Idee, das Haus als Projekt des Mietshäusersyndikats zu kaufen, schwirrte von Anfang an durch die Köpfe. Angesichts der damit verbundenen Arbeit und Verantwortung gab es aber auch Zweifel, zumal wir eher ein loser Verbund von MieterInnen als eine Gruppe waren. Doch die Idee des Syndikats überzeugte uns, und unsere BeraterInnen stärkten uns den Rücken. So sagten wir schließlich Ja zu dem Projekt. Dass uns die verkaufende Erbengemeinschaft das Haus zu einem bezahlbaren Preis überließ und wir beim Einwerben der Direktkredite eine ungeheure Solidarität erfuhren, ist vielleicht nur mit einer Portion Glück zu erklären.

Seit Mitte September 2018 gehört uns nun das Haus. Wir, das sind elf Erwachsene und ein Kind, die sich in einem Vorder- und Hinterhaus auf insgesamt zehn Wohnungen verteilen. Das Erdgeschoss im Hinterhaus wird von einem Landschaftsarchitekten als Büroraum genutzt. Zwischen Vorder- und Hinterhaus liegt ein kleiner Innenhof. Für einen Altbau ist das Ensemble gut in Schuss: Die Dächer sind neu gedeckt, die meisten alten Fenster ersetzt und das Hinterhaus ist frisch gestrichen. Es hat aber auch kleine Schwachstellen: In manchen Wohnungen befindet sich die Toilette auf halber Treppe, die Dusche in der Küche, manche Leitungen sind noch über Putz verlegt und das Haus ist sehr hellhörig. Kurz: Es gibt noch etwas zu tun. Aber wir freuen uns darauf, unser Haus zu erhalten und zu gestalten.

Unser Fazit Anfang Januar 2019: Ja, es war eine Menge Arbeit und wir sind immer noch gut beschäftigt. Aber in einem Haus zu wohnen, aus dem man nicht vertrieben werden kann, ist ein zutiefst beruhigendes Gefühl. Und trotz gelegentlicher Reibereien: Die Sache macht Spaß und ermöglicht ganz neue Erfahrungen. Nicht zuletzt die, dass die Verbundenheit mit unserem Viertel gewachsen und eine Form von Zusammenhalt entstanden ist, insbesondere wenn es darum geht, im Stühlinger bezahlbaren Wohnraum zu erhalten.