Luzernenhof

Weingarten 18 GmbH
Weingartenstr. 18
79426 Buggingen OT Seefelden

Projektgründung:2012
Kauf:31.07.2015
Grundstück:2.534 m²
Gewerbefläche:86 m²
Wohnfläche:318 m²
Personen:13
Kosten:325.544 €
Miete:4,57 €/m²

Die Weingarten 18 GmbH ist kein reines Mietshaus-Projekt, sondern eng verbunden mit dem Landwirtschaftsprojekt Luzernenhof. Die daraus entstehenden komplexeren Verhältnisse und Strukturen möchten wir euch im Folgenden möglichst transparent darstellen:
Geschichte
Der Bauernhof in der Weingartenstraße 18 im südbadischen Buggingen-Seefelden war bis 2011 im Besitz der Familie Scheulin-Widmaier, die dort über mehrere Generationen Landwirtschaft betrieb, seit 1986 ökologische Landwirtschaft. Zum Hof, der mitten im Dorf liegt, gehören noch rund 32 ha Acker- und Grünland, davon waren 9 ha im Eigentum der Familie. Das Herz der Landwirtschaft ist eine kleine Herde von Milchkühen, die mangels naher Weideflächen, ganzjährig im Laufstall gehalten wurden sowie die eigene Verarbeitung der Milch in einer Hofkäserei.
Aufgrund einer wirtschaftlichen und familiären Krise wurden 2010/11 außerfamiliär Hofnachfolger gesucht. Zusammen mit der Bäuerin startete Ende 2011 eine Initiative für eine Solidarische Landwirtschaft mit dem Ziel, den Hof in seiner Vielfalt und als eigenständigen Ökobetrieb zu erhalten.
Anfang 2012 gründete sich die Betriebsgemeinschaft „Luzernenhof GbR“ aus mehreren Landwirt/innen, Gärtner/innen und Käser/innen.
Arbeits- und Wohnprojekt
Auf einem Bauernhof mit Tierhaltung ist es unabdingbar, dass für die Tiere verantwortliche Bäuer/innen nahe bei den Tieren wohnen. Auch für die weiteren Hofmitarbeiter/innen bot sich der nach und nach frei werdende Wohnraum als preiswerte Wohnmöglichkeit an.
Zur Zeit ist das Wohnen auf dem Hof faktisch noch an eine Mitarbeit im Landwirtschaftbetrieb gekoppelt, weil für unseren vielseitigen Betrieb viele Mitarbeiter/innen und für diese in der Aufbauphase besonders preiswerte Wohnungen gebraucht werden. Trotzdem haben wir individuelle, persönliche Mietverträge abgeschlossen, damit alle Mieter/innen in Konflikten zwischen Betriebs-/Projektinteressen und individuellem Wohnrecht, wie in reinen Haus-/Wohngemeinschaften auch, eine rechtlich sichere Basis haben. Inzwischen leben und/oder arbeiten 9 Erwachsene und 4 Kinder + zahlreiche freiwillige Helfer/innen dauerhaft auf dem Hof.
Solidarische Landwirtschaft
Solawi oder “Gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft” wie wir sie als direkte Übersetzung des englischen Begriffs community supported agriculture (CSA) nennen, bedeutet, dass Verbraucher/innen mehr Verantwortung für eine nachhaltige, “enkeltaugliche”, Boden-, Tier- und Menschengerechte  Landnutzung übernehmen. Sie tun dies durch bessere Finanzierung dieser Art von Agrarkultur und meistens auch durch zusätzliches Engagement. Bei uns sind inzwischen ca. 170 Erwachsene mit ca. 70 Kindern beteiligt. Die Gemeinschaft bildet sich mehr und mehr aus und gibt dem Hof den nötigen Rückhalt im laufenden Betrieb, wie auch bei der Inventar- und Immobilienfinanzierung.
Hofkauf
Eine Ablösung des Hofeigentums war von Anfang an geplant. Dies sollte schrittweise geschehen, da zunächst kein Kapital vorhanden war. Die Idee war, das gesamte Eigentum in Gemeinschaftseigentum bzw. Gemeingut zu überführen. Nach dem Vorbild von Höfen in gemeinnütziger Trägerschaft sollte dafür ein einziger Träger dienen, möglichst in Form einer GmbH, die wie die Haus-GmbHs im Mietshäuser Syndikat organisiert sein sollte.
Durch den Tod der auf dem Hof wohnenden Eltern der Bäuerin (Altenteiler) entstand schon im 2. Jahr bei ihr der starke Wunsch, Land und Gebäude umgehend zu verkaufen. Dadurch musste das Kapital schneller aufgebracht werden, was uns zur Suche nach einem Kaufpartner veranlasste.
Dieser wurde in der neu gegründeten, bundesweit tätigen Genossenschaft „Kulturland eG“ mit Sitz in Hitzacker gefunden (s.u.).
Der Hofkaufprozess zog sich über 2 Jahre hin. Ein erster Kaufvertrag vom 08.12.2014 wurde vom Landwirtschaftsamt nicht genehmigt und der Hof „ausgeschrieben“. Die baden-württembergische Landsiedlung kündigte an, von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen zu wollen. Durch Intervention bis hin zum Landwirtschaftsministerium konnte erreicht werden, dass eine genehmigungsfähige Lösung als Grundlage für unseren Hof erarbeitet wurde.
Die Konstruktion sieht vor, dass der landwirtschaftliche Betrieb am Bodeneigentum beteiligt ist: Die landwirtschaftliche GbR ist Komplementärin in der „Luzernenhof Boden KG“ und die KG hat ein  Nutzungsrecht für die für einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Tierhaltung notwendigen Hofteile (s.u. → Grunddienstbarkeit).
Der Abschluss des geänderten Kaufvertrags war am 31.07.2015, die Grundbucheintragung am 26.11.2015. Besonderheit einer Hofübernahme / Kauf von landwirtschaftlicher Fläche und Hofstelle Nach dem früheren „Grundstücksverkehrsgesetz“ und besonders dessen verschärftem Nachfolge-Landesgesetz für Baden-Württemberg („Agrarstruktur-Verbesserungs-Gesetz /ASVG“) ist der Kauf von landwirtschaftlichen Flächen oder ganzen Höfen genehmigungspflichtig. Zuständig sind die Landwirtschaftsämter. Es soll erreicht werden, dass anerkannte “Landwirte” (natürliche oder juristische Personen die Landwirtschaft betreiben) einen Vorrang beim Bodenkauf haben. Nicht vorgesehen ist, dass Nichtlandwirte für einen Landwirt kaufen. Für eine Hofstelle gilt das gleiche, solange die Landwirtschaft dort noch nicht aufgegeben ist. Das Interesse der Behörden ist, dass die Hofstelle mit der landwirtschaftlichen Fläche verbunden bleibt.
Unser 1. Kaufvertrag sah vor, dass die Kulturland eG direkt Eigentümerin des Bodens wird. Diese betreibt aber selbst keine Landwirtschaft, sondern wollte langfristig an Ökobauern verpachten.
Das war durch die strenge Auslegung des ASVG in Baden-Wüttemberg nicht durchsetzbar.
Struktur / Eigentumsaufteilung
Entgegen der ursprünglichen Pläne, alles Vermögen in einem Träger zu bündeln, haben wir früh begonnen, das landwirtschaftliche Inventar einem Verein („Freundeskreis Luzernenhof“) zu übertragen. Damit gibt es keine formelle wirtschaftliche Verflechtung zwischen Betrieb und Immobilien außer dem Mietverhältnis. In dem Verein sollen sich in Zukunft auch die Verbraucher/innen der Solidarischen Landwirtschaft organisieren.

Ausgewählte Termine

Samstag 05.09.20
Mitgliederversammlung Leipzig

Weitere Termine