Wohnprojekt Fluse

gemeinschaft.sinn wohnprojekt GmbH
Projektgründung:2013
Grundstück:1.330 m²
Gewerbefläche:135 m²
Wohnfläche:1.160 m²
Personen:39
Kosten:4.254.644 €
Miete:8,19 €/m²

Das sind wir
… 31 Erwachsene, acht Kinder und ein Kater mit Köpfen voller FLUSEN! Wir haben uns die Flusen: ein Wohnprojekt in Lüneburg zu gründen, nicht austreiben lassen. Nun wohnen wir gemeinschaftlich und selbstverwaltet in einem neu gebauten Haus. Wir sind zwischen 2 und 60 Jahre alt und engagieren uns künstlerisch, sozial und politisch. Ziel unseres Projektes ist es, langfristig und bezahlbar in Selbstverwaltung und Solidarität zu wohnen. Wir wirken politisch und kulturell in den Stadtteil und die Stadt hinein und werden in unserem Gemeinschaftsraum politische Bildung, Vernetzung und Begegnung ermöglichen. In unserem zuhause haben Menschen unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen Interessengebieten, Lebensentwürfen, sozialen und kulturellen Hintergründen ihren Platz. Im Plenum fällen wir Entscheidungen nach einem mehrstufigen Konsensprinzip. Monatlich halten wir ein Tagestreffen ab, auf dem wir uns einem größeren Thema widmen, das im Alltag oft zu kurz kommt: unsere inhaltliche und politische Ausrichtung. Wir begreifen uns dabei als Lernende und erwarten die Bereitschaft und Offenheit aller, eigene Standpunkte zu reflektieren und aufeinander zuzugehen. Zu unseren Grundsätzen gehört, dass wir respektvoll miteinander umgehen. Von uns und unseren Besucher:innen erwarten wir, rassistische, homophobe, sexistische und andere diskriminierende Verhaltensweisen zu reflektieren und abzubauen.

Das ist unser Haus

Im Frühjahr 2020 sind wir eingezogen. Zu 40t leben wir auf zwei Etagen und einem Staffelgeschoss auf rund 1300 m². In elf Wohneinheiten von Einzelwohnungen bis Sechser-WGs leben wir unterschiedliche Bedürfnisse unter einem Dach. Im kleinen Garten hinter dem Haus sprießt die Wildblumenwiese. Von der großen Dachterrasse auf zehn Meter Höhe genießen wir den Blick über die Stadt und rollen das ein oder andere Banner von der Fassade. Dank unseres Mobilitätskonzepts und der zentralen Lage in Lüneburg kommen wir mit acht Pkw-Stellplätzen für elf Haushalte aus. Im Keller befinden sich ein ansehnlicher Fuhrpark aus Fahrrädern, eine Werkstatt, eine eigene Food-Coop, eine Waschküche und eine kleine Töpferei. Das Sahnehäubchen ist die einzige Badewanne für alle, die sich auf unserem Dach befindet – und uns Schlagzeilen in der Lokalpresse verschafft hat. Außerdem betreuen wir den Abhol-Punkt einer Solidarischen Landwirtschaft. Viele Möglichkeiten bietet unser 81 m² großer querfinanzierter und dadurch kostenfrei nutzbarer Gemeinschaftsraum, den wir nach und nach für politische Veranstaltungen öffnen werden.
Haus und Grundstück kosten ungefähr 4,2 Millionen Euro, die wir zu 25% aus Direktkrediten nach dem Modell des Mietshäuser Syndikats finanzieren. Die verbleibende Summe erhalten wir als Kredit von der Niedersächsischen Landesbank (N-Bank) und der GLS Bank. Viel Überzeugungsarbeit war nötig – unter anderem beim Land Niedersachsen, der N-Bank und in der Lüneburger Verwaltung – um ein Haus zu bauen, das zentral gelegen ist und sozialverträgliche Mieten sichert. Möglich ist dies auch, da wir vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als Modellprojekt finanziell gefördert werden. Dank der Förderungen konnten wir beide Treppenhäuser mit Aufzügen und Automatiktüren ausstatten und alle Wohnungen barrierearm gestalten. Eine Wohnung ist barrierefrei und wird als solche genutzt. Um das Haus dauerhaft unverkäuflich zu machen, und damit niemand aus unserer langjährigen Mühe Profit schlagen kann, sind wir im September 2020 dem Mietshäuser Syndikat beigetreten.

Das ist unser Anliegen in Lüneburg
Inmitten einer Stadt, in der die Mieten rasant steigen, schaffen wir bezahlbaren Wohnraum. Die Kaltmiete beträgt – abhängig von der Förderung – zwischen 6,50 (für den Hauptteil der Wohnungen) und 12,80 Euro pro Quadratmeter. Wichtige Akteure, ohne die wir das nicht geschafft hätten, sind das Hausprojekt LeNa und der Dachverband der Lüneburger Hausprojekte Mehr Leben e.V. Sie haben uns wesentlich unterstützt und beraten. Nach einem siebenjährigen Weg halten wir unseren Schlüssel in der Hand: Was einst als Traum begann, ist uns ein Zuhause geworden.
Die langjährige Lobbyarbeit für Wohnprojekte trägt Früchte: Gab es zu Anfang unserer Suche kaum Optionen, vergibt die Stadt Lüneburg nun einige Baugrundstücke mit Vorzug an Wohnprojekte. Darüber hinaus hat sie ihre Richtlinien für den Sozialen Wohnungsbau so angepasst, dass auch Wohnraum für große WGs förderfähig ist. Leider gilt die Sympathie nicht allen: Das Projekt Unfug steht vor dem Aus, da die Stadt seine Bauwagen untersagt und mit der Räumung droht. Wir zeigen uns solidarisch und hoffen: Unfug bleibt!
Wohnen bedeutet für uns, gemeinnützig, selbstverwaltet und solidarisch zu leben. Wir stehen hinter der widerständigen Praxis des Mietshäuser Syndikats und sind sehr glücklich nun frischgebackenes Mietshäuserprojekt auf ewig zu sein!

Ausgewählte Termine

Samstag 05.09.20
Mitgliederversammlung Leipzig

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