Das Syndikat in Betrieb

Das Syndikat in Betrieb

Mietshäuser Syndikat Verein
Über die Beteiligung des Syndikats an einer Haus-GmbH entscheidet grundsätzlich die Mitgliederversammlung des Vereins Mietshäuser Syndikat. Die neuen Initiativen stellen dort ihre Projektidee vor. Voraussetzungen für einen Beteiligungsbeschluss sind vor allem Selbstorganisation, Ausschluss der Wiedervermarktung durch Vetorecht des Syndikats und Beteiligung am Solidartransfer durch Zahlung des Solidarbeitrags und Weitergabe von Wissen. Der Rauswurf von Altmieter*innen sowie die Verknüpfung des Einzugs an finanzielle Bedingungen stellen hingegen Ausschlussgründe für eine Beteiligung dar. Die Vielfalt der Wohn- und Lebensentwürfe in den unterschiedlichen Projekten ist eine der Stärken des Syndikatsverbundes. Das heißt aber nicht, dass es keine Grenzen gibt; über jeden Beteiligungsbeschluss wird im Einzelfall entschieden. Völlig abgelehnt werden Fälle wie das „selbstorganisierte“ Projekt einer kommerziellen Bauträgerfirma, das anti-emanzipatorische Projekt einer Psycho-Sekte oder, noch krasser, das einer Neonazi-Kameradschaft.

Die Mitgliederversammlungen finden je nach Bedarf etwa drei- bis viermal im Jahr an unterschiedlichen Orten statt. Die MV bietet auch Raum für Austausch, Beratung, Arbeitsgruppen,

Workshops, gegenseitige Hilfen und nicht zuletzt auch Gelegenheit zum Kennenlernen von Menschen aus anderen Projekten oder Einzelmitgliedern. Coronabedingt erschließen wir uns auch digitale Formen des Zusammentreffens und Austausches.

Mietshäuser Syndikat GmbH
Der Mietshäuser Syndikat Verein ist einziger Gesellschafter der Mietshäuser Syndikat GmbH. Die Mitgliederversammlung des Vereins ist die zentrale Entscheidungs- und Kontrollinstanz des Syndikats. Entscheidungen der MV werden durch die Geschäftsführung der MHS GmbH umgesetzt. Sie hält und verwaltet die Beteiligungen an den einzelnen Haus-GmbHs. Die Mietshäuser Syndikat GmbH hat ebenso wie der Verein den Sitz im idyllischen Freiburg im Breisgau und unterhält dort auf dem Grethergelände ein kleines Büro. Eine Halbtagsstelle sorgt für die Verwaltung von GmbH und Verein.

Projektberatung
Die Beratung und Begleitung einer Hausinitiative erfolgt grundsätzlich kostenlos und wird ehrenamtlich von engagierten Aktivist*innen erledigt.

Klassisches Beispiel: Die Mieter*innen eines Hauses wollen ihrem Hausbesitzer die Bürde des Eigentums abnehmen und kontaktieren das Syndikat. In gemeinsamen Treffen mit den Mieter*innen werden Machbarkeit und Finanzierungsmöglichkeiten geklärt, Projektkonzept und Baupläne durchgesprochen, Feinheiten des Organisationsmodells erklärt, Fragen zur laufenden Haus- und Finanzverwaltung beantwortet und beim GmbH- und Kaufvertrag mitgewirkt. Eine intensive Beratung, der Transfer von Wissen und die Vorstellung und Diskussion der Projektidee auf einer Mitgliederversammlung sollen schon im Vorfeld verhindern, dass ein Projekt scheitert. Aber: Die Arbeit wird der Initiative nicht abgenommen, auch nicht die Verantwortung und die Entscheidungen. Das Syndikat hilft nicht bei Gruppenfindungsprozessen oder bei der Wohnraum- und Immobilienvermittlung.

Die Projektgründungsphase ist häufig ein jahrelanger Prozess, der durchaus scheitern kann: So musste die Gruppe um den Eilhardshof Insolvenz anmelden (s. links: „Ein Projekt scheitert“).

Neben finanziellen Engpässen können auch personelle Unstimmigkeiten zu einer großen Belastung für eine Projektgruppe werden. In vielen Projekten wird die Gruppenstruktur in der Bauphase geprägt. Sie verfestigt sich oftmals unter dem Primat von Sachzwängen und fern gedachter Grundsätze.

Aufkommende Konflikte werden in der Folge als Bedrohung empfunden statt als Normalfall, mit dem es konstruktiv umzugehen gilt. Solidarisches, hierarchiefreies, vorurteilsfreies, respektvolles Verhalten unterliegt einem mühsamen Lernprozess. Hierbei können sich Projekte auch schon in der

Gründungsphase gegenseitig unterstützen. Und natürlich ist auch das Syndikat selbst nicht vor Fehlentwicklungen gefeit; was für die einzelnen Projekte gilt, gilt auch für den ganzen Verbund.

Beratungsarbeit ist der umfangreichste Teil der Syndikatsarbeit. Der Beratungsaufwand für ein Projekt ist extrem unterschiedlich, je nach Projektsituation und personellen Ressourcen sowohl bei der Initiativgruppe als auch beim Syndikat. Mittlerweile finden vor jeder Mitgliederversammlung

Treffen der Berater*innen und Aktiven statt, um sich auszutauschen und aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen

Regionale Beratung und regionale Koordination
Beratung und andere Aufgaben werden mit zunehmender Regionalisierung immer häufiger von Menschen aus den Projekten vor Ort und den regionalen Koordinationen übernommen, die gleichzeitig auch als Anlaufstellen für Syndikatsinteressierte dienen: https://www.syndikat.org/de/regionalstruktur/

Anfragen aus Gegenden ohne regionale Beratungsstrukturen können auch an ein Hausprojekt in der Nähe gestellt werden.

Arbeitsgruppen
Neben Beratungs- oder regionalen Koordinationsaufgaben gibt es zahlreiche weitere Arbeitsgruppen, u. a. zu Themenbereichen wie Buchhaltung, Grund und Boden, Internationales, Konflikte und Soziales, Mitgliedschaft, Neubau, Selbstverständnis, Solidarbeitrag, Stiftung, Struktur, Webseite, …

In den AGs wird Wissen ausgetauscht, Außerdem werden verschiedenste Themenbereiche diskutiert, weiterentwickelt und für MV-Beschlüsse vorbereitet. Die Anzahl und Aktivität der Arbeitsgruppen ist dynamisch und ändert sich nach Bedarf.

Politische Unterstützung
Dass sich eine Projektinitiative ein leeres Haus auf Grund einer Kleinanzeige kauft, soll schon vorgekommen sein, ist aber die seltene Ausnahme. Die Regel sind meist langwierige Auseinandersetzungen mit Privateigentümer*innen. Diese haben oft exorbitante Preisvorstellungen für ihren Reihenhauspalast oder können schwer ertragen, dass „ihr Haus“ in die Hände eines Kollektivunternehmens von Mieter*innen gerät. Auch einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft, die an Stelle von preiswerten Kommunalwohnungen Eigentumswohnungen bauen und verkaufen will, um Haushaltslöcher zu füllen, ist schwierig beizukommen. Eine besonders knifflige Aufgabe steht an, wenn für den Erhalt des Hauses erst noch ein Bebauungsplanentwurf zu Fall gebracht werden muss.

Damit Projekte bei politischen Auseinandersetzungen und in anderen schwierigen Situationen eine bessere Chance haben, unterstützt das Syndikat auch gerne offensiv: Konflikte öffentlich machen, Verbündete suchen, Aktionen überlegen usw.

Bei komplizierten Verhandlungen mit Eigentümer*innen oder Behörden helfen Aktivist*innen des Syndikats mit ihren Erfahrungen aus anderen Projekten, um geeignete Strategien gemeinsam auszuklügeln. Durch die Öffentlichkeitsarbeit werden das Projektkonzept und die Ideen des Syndikats vor Ort verbreitet. Außerdem wird für die Unterstützung bestehender und neuer selbstorganisierter Mietshausprojekte geworben: durch Pressearbeit, Veranstaltungen, Workshops und nicht zuletzt durch Broschüren wie unsere.

Nicht in jedem Fall führen die gemeinsamen Anstrengungen von Projektgruppe und Syndikat zum Erfolg, immer wieder wird der eine oder andere Kampf gegen Profitinteressen und politische Blockaden verloren